Wenn ein Unternehmen sein Recht durchsetzt, handelt die Justiz „perfide“?

Beim Stöbern durch die heutigen Referer, bin ich auf die Kanzleiwebseite des Kollegen Dr. Christoph Ohrmann gestoßen. Er bespricht das Urteil des Landgerichts Berlin vom gestrigen Tage und kommentiert den Sachverhalt zum Schluß wie folgt:

Das Perfide an der Sache ist jedoch m.E., dass sich Gerichte mit der Zulässigkeit von Werbung von Firmen beschäftigen müssen, die Programme für ein Online-Spiel herstellen und vertreiben, deren Verwendung durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wegen ihrer spielerlebniszerstörenden Wirkung gerade untersagt wird.

Ohne, dass ich jetzt einen BLawgger-Krieg hervorrufen will, finde ich dies doch eine interessante Einstellung. Ich zitiere mal aus Wictionary:

Ende des 18. Jahrhunderts aus dem gleichbedeutenden französischen perfide → fr übernommen; dort entlehnt aus dem Lateinischen perfidus → la „wortbrüchig, treulos, unredlich, falsch, unzuverlässig“, abgeleitet von fides → la „Treue, Glaubwürdigkeit, Vertrauen“, das aus Wendungen wie per fidem fallere → la (aliquem) „jemanden unter dem Anschein der Treue täuschen“ respektive per fidem decipi → la „unter dem Anschein der Treue getäuscht werden“; vergleiche auch lateinisch fidere → la „vertrauen, glauben, sich verlassen“

Passt also das Wort „perfide“ auf eine Zivilkammer, die sich sachlich mit den rechtlichen Begebenheiten auseinandersetzt und eben auch jenen Unternehmen den Schutz des Gesetzes ermöglicht, die vielleicht – auf den ersten Blick – nicht „saubere“ Software herstellen? Auf dem zweiten Blick ist die Software unserer Mandantin nämlich nicht nur juristisch völlig unproblematisch, sondern ob die Verwendung durch den Käufer durch Blizzard verboten werden kann, ist – wie man dem Kollegen zustimmen muss -, noch nicht einmal entschieden. Sollte jedoch gemeint sein, dass das Gericht über unsinnige Dinge entscheiden muss, so sei der Kollege beruhigt, denn er weiß sicher, dass es genug andere Streitigkeiten gibt, die vielleicht besser ohne Robe geregelt werden sollten, was wir ja auch zunächst versuchten. Doch auch als Anwalt finde ich, muss man sich für das Thema nicht schämen, wenn der Kollege dies ansprechen wollte, denn zum einen vertrete ich nun einmal die Interessen meiner Mandantin und dabei sollte – eigentlich – meiner eigenen Meinung eine untergeordnete Rolle spielen, ob ich mir beispielsweise selber ein solches Programm kaufen würde, zum anderen finde ich es auch aus Businessgesichtspunkten lange nicht so eindeutig, ob man Bots überhaupt verbieten sollt, wie viele immer schnell behaupten, denn man beachte nur einmal das simpelste Argument als Hersteller: Solange die User Bots benutzen, die nicht meinen Itemshop unnützt machen oder andere Kunden stören, verdiene ich an diesen Nutzer Geld. Wenn ich sie sperre, verdiene ich auch kein Geld mehr.

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