Domain und Abschreibungen

In der letzten Woche kam bei mir in der Kanzlei das Thema neu auf, ob ein Domain bei einem Unternehmen Teil des Betriebsvermögens wird und somit unter Umständen wirtschaftlich, und daher auch steuerlich relevant, abgeschrieben werden müssen/können oder ob es sich um ein  immaterielles Wirtschaftsgut gemäß § 266 Abs. 2 Buchst. A I 1 HGB handelt. Problematisch wird diese Frage natürlich bei einer 0815 Domain, die ein Unternehmen neu anmeldet und für die jährliche Gebühren an den eigenen Provider bzw. z.B. an die DENIC gezahlt werden. Problematisch und auch relevant wird dies, wenn eine Domain beispielsweise auf einem Marktplatz wie Sedo gekauft wird und für das reine Domainübertragungsrecht teils sechsstellige Summen gezahlt werden.

Hier steht nämlich neben der Frage, was eine Domain juristisch eigentlich ist, auch das Problem im Vordergrund, wie lange diese üblicher Weise genutzt wird. Bei der Bewertung der Rechtsfrage wird meiner Meinung nach oft vergessen, dass eine Domain nach einem Jahr wieder aufgelöst wird, wenn die Gebühren an den Provider nicht gezahlt werden. Völlig unabhängig davon welche Summe jemand für das Domainübertragungsrecht bezahlt hat, welches er nun gerne steuerlich mindernd geltend machen möchte.

Nach aktuellem Streitstand ist wohl weiterhin das schon 10 Jahre alte BFH-Urteil vom 19.10.2006, Az. III R 6/05 relevant. Danach sind die Kosten für den Kauf einer Domain nicht sofort abzugsfähig. Sie müssen bilanziert und gegebenenfalls in das das Anlagenverzeichnis aufgenommen werden. Fraglich ist, was mit der Realisierung eines eventuellen Verlustes oder gar Gewinnes passiert bzw. was der Fall ist, wenn, beispielsweise durch gerichtliches Urteil, die Nutzung der Domain nicht mehr möglich ist. Es wohl, nur in diesem Fall, von einer Teilwertabschreibung auszugehen. Hier sind aber die Details entscheidend.  Auch ist relevant, ob man selber nur eine Einnahmen-Überschussrechnung erstellen muss oder zur Bilanzierung verpflichtet ist. Ist die Summe für die Domainanschaffung eine relevante Größe, ist daher das, am besten vorherige, Gespräch mit dem Steuerberater wahrscheinlich keine allzu dumme Idee.

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