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Esport Spieler Verträge: Arbeitnehmer oder Auftragnehmer?

Aufgrund zahlreicher Anfragen in den letzten Monaten, habe ich mich heute einmal entschlossen, einen kurzen Artikel zu einem immer größeren Problem im Esport zu schreiben: Sollten Spieler eines Teams Angestellte oder Auftragnehmer sein?

Vorweg sei zu betonen, dass tiefergehende rechtliche Informationen von mir nur zu deutschem Recht erbracht werden können. Arbeitsrecht ist leider nicht europäisch harmonisiert und daher kann ich außerhalb der Bundesrepublik Deutschland nur Empfehlungen aussprechen, die im Prinzip Teil des Business Development sind. Ich würde mich aber natürlich sehr über Feedback von Kollegen aus anderen Ländern freuen und gerne trage ich entsprechende Informationen nach.

Was ist also besser? Ein Esportspieler, der als Arbeitnehmer bei einem Esport Team angestellt ist oder ein Auftragnehmer ist?

Nun, die Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn beides hat Vor- und Nachteile.

Vorteile (für das Team) einen Arbeitnehmer zu beschäftigen:

  • Als „Arbeitgeber“ hat man direkte Weisungsbefugnis. Man kann im Rahmen eines Arbeitsvertrages weitesgehend bestimmen, wann und wo ein Arbeitnehmer einer Tätigkeit nachgeht und wie diese Tätigkeit auszusehen hat.
  • Während der Laufzeit des Vertrages kann ein Spieler nicht einfach wechseln, ein anderes Team unterstützen und dergleichen.
  • Leistungen, die der Arbeitnehmer erbracht hat, werden in aller Regel dem Team („Arbeitgeber“) zugerechnet. Dies gilt insbesondere für Verwertungsrechte von urheberrechtlichen Handlungen.
  • Die Kosten sind sehr gut planbar, da Gehälter vertraglich vereinbart sind und bei Ausfällen die Sozialversicherungsträger einspringen. Arbeitnehmer sind auch gesetzlich unfallversichert.
  • Soziale und finanzielle Sicherheit lässt Mitarbeiter, und somit auch Spieler, oft produktiver und zufriedener sein.
  • Insgesamt sind Arbeitnehmer wesentlich fester an das Team gebunden, als es ein Auftragnehmer je rechtlich sein kann.

 

Nachteile (für das Team) einen Arbeitnehmer zu beschäftigen:

 

  • Im Rahmen von Kündigungsfristen sind Gehaltszahlungen verpflichtend und gesetzliche Kündigungsfristen einzuhalten. Das gilt insbesondere im Rahmen von Kündigungsschutzvorschriften. Sozialversicherungsbeiträge und Steuern sind zudem im Prinzip nicht insolvenzfest
  • Diverse Arbeitgeberpflichten bedeuten Kosten und Verwaltungsaufwand. So muss die Erstellung von Gehaltsabrechnungen, Dokumentationspflichten, Arbeitnehmerschutzvorschriften und einiges weiteres ordnungsgemäß und regelmäßig erfolgen.
  • Arbeitnehmer haben Anspruch auf Urlaub, können sich regulär krankmelden und haben zahlreiche weitere Rechte. Bei größeren Organisationen sind Dinge wie Betriebsräte und dergleichen zu beachten.
  • Weitere gesetzliche Regelungen wie der Mindestlohn sind zu beachten.

 

Für Auftragnehmer geltend insoweit meist die genauen Gegenteile. Es ist somit eher schwer möglich Personen langfristig an das Team zu binden. Dies verhindert Dinge wie Ablösesummen schon vom Grundsatz. Auch ist Sponsoren nur schwer eine gewisse Kontinuität eines Teams zu „verkaufen“, weshalb regelmäßige Sponsorenzahlungen eher schwer in größeren Summen zu verhandeln sind. Auch lassen sich „Investments“ in einen Spieler, wie Training, Hardware und dergleichen mitunter schwerer betriebswirtschaftlich rechtfertigen, wenn dieser Spieler recht einfach zum konkurrierenden Team wechseln kann, und Sperr- oder Konkurrenzklauseln meist nur schwer durchsetzbar sind.

Ein weiteres Problem von „Auftragnehmern“ ist die weitgehend, zumindest in der Bundesrepublik Deutschland, ungeklärte Rechtsfrage zum Themengebiet „Scheinselbstständigkeit“. Diese kann gerade für Teams zu einem enormen finanziellen Risiko führen, welches sich oft erst 2-3 Jahre nach der Tätigkeit realisiert, nämlich erst wenn eine erste sozialversicherungsrechtliche Betriebsprüfung oder eine Lohnsteuerprüfung erfolgt. Sollten Finanzamt oder Sozialversicherungsträger andere Auffassung als das Team (oder im Zweifel auch ihr rechtlicher Berater sein), bleiben oft nur teure Gerichtsverfahren oder sehr hohe Nachzahlungen.

Zwar gibt es im Grundsatz inzwischen die Möglichkeit auch bei den Sozialversicherungsträgern eine sogenannte „verbindliche Auskunft“ zu erhalten, ob eine Tätigkeit als sozialversicherungspflichtig anzusehen ist oder nicht. Diese kann jedoch Zeit in Anspruch nehmen und auch negativ bescheidet werden, worauf hin sodann Verträge geändert und neue verbindliche Anfragen gestellt werden müssten. Ein Prozess der als solches ebenfalls sehr teuer werden kann.

Nebenbei gibt es zahlreiche weitere Erwägungen, die für einen regulären Arbeitsvertrag sprechen, wie die Turnierregeln einiger Spieleanbieter. Auch sonstige Gründe der Professionalisierung führen dazu, dass man von allen Formen eines Kooperationsvertrages Abstand nehmen sollte.

Entscheidet man sich trotz der oben genannten Nachteile für einen freien Mitarbeiter, sollten der entsprechende Vertrag auf jedenfalls von einem Fachmann geprüft und die Strukturen bewertet werden. Die eingesparten Kosten können ansonsten schnell zum einem finanziellen Disaster werden.

 

Dieser Artikel soll nur ein kurzer Anriss zu den Problemen im Esport sein. Für weitere Details stehe ich jederzeit gerne unter haertel@rahaertel.com zur Verfügung. Wichtig ist vor allem sich über die Konsequenzen eines bestimmten Vertrages Gedanken zu machen. Das beinhaltet sowohl die rechtlichen Fragestellungen, als auch Probleme betriebswirtschaftlicher Natur und der Professionalisierung des Teams.