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Bots für Streamer/ein neues Phänomen – Serie hier im Blog

Neben den inzwischen auch in der allgemeinen Presse bekannten Automatisierungsbots für Onlinespiele, von denen ich hier im Blog des Öfteren berichte und zu deren Rechtmäßigkeit sich Bundesgerichtshof im Oktober äußern wird, gibt es noch zahlreiche weitere Botsoftware, deren Entwicklung zum Teil in den Bereich KI-Forschung fällt und entsprechend hoch bejubelt wird: Chat und Viewbots.

Was sind Bots bzw. Viewbots?

Chatbots ermöglichen es, in sozialen Netzwerken und Mobile-Apps Teilnehmer zu simulieren. Dies beginnt beim automatisierten Erstellen von Tweets für Twitter, ein Bereich in den sich Microsoft zuletzt sehr engagiert hat. Betroffen sind dabei aber auch Programme, die zuletzt die Flirtplattform Lovoo zu Fall gebracht bzw. aus Marketingsicht stark geschädigt haben. Während es sich im Falle von Twitter noch um KI-Forschung handelt, zumindest vordergründig, hat Lovoo anscheinend, und ohne strafrechtliche Ermittlungen vorwegzunehmen, aus Profitabsicht gehandelt. Die Botsoftware sollte Nutzer simulieren, die gar nicht vorhanden sind, um Relevanz und Einnahmen zu steigern. Gleiches gilt bei Werbeunternehmen mit grassierenden Problem an sogenannten Clickbots, die Aufrufe von Werbebannern simulieren, um eigene Einnahmen auf Kosten der Werbetreibenden zu steigern.

Die gleiche Intention treibt ein neues Phänomen auf Youtube und zuletzt auch auf Twitch voran: Die Viewbots. Botsoftware wird eingesetzt, teilweise auch mit Hilfe von CDNs, um Zuschauer auf den eigenen Kanälen zu simulieren und mit Hilfe von Chatbots sogar Aktivität zu generieren. Der Grund ist leicht zu erklären. Zum einen steigert eine höhere Nutzerzahl die Werbeeinnahmen direkt, zum anderen kann ein besser genutzter Kanal in Rankinglisten besser aufgefunden werden und wird teils in den Suchalgorithmen bei Google/Youtube höher bewertet. Auf diese Weise gibt es ein höheres Wachstum der eigenen Nutzerzahl, was wiederum mittelfristig die eigenen Einnahmen steigert, in dem es lukrative Sponsorenverträge überhaupt erst möglich macht.

Wirklich neu ist jedoch das umgedrehte Phänomen, welches mir aufgrund eines aktuellen Mandats vorliegt. Neuerdings werden diese Bots eingesetzt, um die Zuschauerzahlen von Konkurrenten zu steigern. Was zunächst abwegig klingt, hat auf dem zweiten Blick eine perfide Logik. Wird ein Konkurrent massiv mit Bots unterstützt und daraufhin enttarnt, leidet dessen Ruf unter Umständen massiv, was diesen sogar finanziell ruinieren könnte. Des Weiteren könnte es den Unschuldigen auch rechtliche bzw. vertragliche Probleme mit den Plattformbetreibern einbringen, denn wer die Bots eingesetzt/beauftragt hat, ist oft nur schwer festzustellen.

Der Plattformbetreiber Twitch hat jetzt zum Gegenschlag ausgeholt und verklagt Anbieter von Botsoftware. Ob dies juristisch haltbar ist, vor allem in Europa, bleibt abzuwarten. Auch hier dürfte ein Urteil des Bundesgerichtshofs richtungsweisend sein, wie ich hier ausgeführt habe. In einer Serie von Artikel werde ich mich in den nächsten Tagen mit den rechtlichen Komplikationen der verschiedenen Automatisierungen auseinandersetzen, von Twitter über Lovoo bis hin zu Twitch/Youtube. Sämtliche Bereiche haben ihre eigenen Fallstricke, aber IT-Juristen und auch die deutschen Gerichte werden sich in den nächsten Jahren mit den Problemen beschäftigen müssen. Dessen bin ich mir, auch aufgrund aktueller Mandate und Mandatsanfragen, sehr sicher.

Beitragsbild: By Esopebot (Own work) CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons

Gameslaw: BGH verhandelt am 6. Oktober zu zwei Fragen

Zu zwei aktuellen und gleichzeitig interessanten Rechtsfragen wird der Bundesgerichtshof am 6. Oktober verhandeln.

  • Eine Fall betrifft im weitesten Sinne die Frage der Zulässigkeit der Herstellung und des Vertriebs von Automatisierungssoftware für das Computerspiel World of Warcraft, mit der Ausprägung und Fragestellungen ob durch den Vertrieb ein verleiten zum Vertragsbruch vorliegt bzw. ob durch den Vertriebs eine Wettbewerbsbeeinträchtigung vorliegt bzw. ob eine solche hinreichend nachgewiesen wurde. Dieses Verfahren resultiert aus einer Revision gegen eine Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichtes
  • Der zweite Fall betrifft die Frage, welche Nutzungsrechte bei einem Verkauf eines Computerspieles übertragen werden, wenn keine besonderen Einschränkungen beispielsweise zur kommerziellen Nutzung vereinbart werden. Des Weiteren betrifft der Fall die Frage, welche Auskunftsansprüchen aus einer eventuellen Urheberrechtsverletzung im Fall der eingeschränkten Rechtsübertragung durch die Zweckübertragungstheorie, geschuldet werden. Dieses Verfahren resultiert aus einer Revision gegen eine Entscheidung des Oberlandesgerichtes Dresden.

In beiden Fällen arbeite ich dem zuständigen Rechtsanwalt am Bundesgerichtshof zu. Über den weiteren Verfahrenslauf werde ich berichten.