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Gamesrecht: Wenn der Spielehersteller sich an Mods bedient

Aktuell gibt es zum bekannten Rollenspiel Fallout 4 eine Rechtsfrage rund um die Erstellung von Modifikationen. Dabei geht es nicht um die Frage, ob sogenannte Mods zulässig sind oder von den Herstellern verboten werden können: Da lautet nämlich die Juristenantwort leider „Es kommt darauf an“.

Im aktuellen Fall geht es um eine Modifikation für das Spiel Fallout New Vergas namens Autumn Leaves. Diese wurde damals mit viel Liebe zum Detail erstellt, inklusive zahlreicher eigener Texte, Grafiken und Sounddateien. Zum aktuellen Titel Fallout 4 hat Entwickler Bethesda jetzt ein eigenes Addon namens „Far Harbor“ veröffentlicht, die frappierende Ähnlichkeit zu eben jener Fan-Modifikation hat. Ein hitzige Diskussion entbrannte auf einschlägigen Seiten darüber, ob dies zulässig sei aber auch, ob der Modentwickler selber überhaupt einen Anspruch habe.

Die rechtliche Bewertung ist allerdings recht eindeutig.

  1. Zum einen gilt der Grundsatz dass im deutschen Recht Ideen nicht geschützt sind. Geschützt sind nur konkrete Ausführungen, konkrete Werke. Die einzige Ausnahme von diesem Grundsatz stellt im Ansatz das Patentrecht dar.
  2. Trotzdem sind bloße Änderungen bestehender Werke und auch sogenannte sklavische Nachahmungen nicht gestattet. Diese könnten sowohl durch Urheberrecht als auch durch Wettbewerbsrecht geschützt sein. Dabei kommt es natürlich auf die genauen Details an, wobei im Zweifel für einen Schutz des Urhebers zu plädieren ist.
  3. Nicht problematisch ist hier, dass der Urheber (der Modentwickler in diesem Fall) eine Modifikation zu einem bestehenden Spiel entwickelt hat. Zum einen ist, wie oben dargelegt, nicht wirklich klar, ob diese Modifikation eine Urheberrechtsverletzung darstellt. Zum anderen erlangt jedoch auch der Verletzer eines Urheberrechts in aller Regel mit der Modifikation ein eigenes Urheberrecht. Das bedeutet dass selbst wenn die Modifikation Autumn Leaves rein theoretisch eine Urheberrechtsverletzung gegenüber Bethesda darstellen würde, die von Bethesda nur toleriert wurde, so erhält Besthesda dadurch nicht das Recht die Inhalte des Mods (Grafiken, Sounds, Texte) für eigene Zwecke zu nutzen. AGB, die ein solches Recht gegebenenfalls einräumen, dürften nach deutschem AGB Recht regelmäßig unwirksam sein, da diese zum einen überraschend sind und pauschale Rechteabtretungen eine unbillige Benachteiligung darstellen würden.